Auf den Spuren der Transhumanz: Die Hirtenwege von Alpuente
06. Aug. 2026 · 08:56
Unsere Landschaften bergen uralte Geheimnisse, die es verdienen, Schritt für Schritt entdeckt zu werden, wie zum Beispiel die Hirtenwege, die „Cañada Real de Castilla“, der „Vereda de Alpuente“ und die lebendige Erinnerung an unsere gemeinschaftliche Tradition.
Ein auf Wolle gegründetes Reich: Der „Honrado Concejo de la Mesta“
Um die Bedeutung unserer ländlichen Wege zu verstehen, müssen wir bis ins Jahr 1273 zurückgehen, als Alfons X., der Weise, den „Honrado Concejo de la Mesta de Pastores“ gründete. Diese Institution vereinte die Viehzüchter von León und Kastilien und gewährte ihnen außergewöhnliche Privilegien wie die Befreiung vom Militärdienst oder Durchgangs- und Weiderechte.
Im Laufe der Zeit erlangte die Mesta dank der begehrten Merinowolle immense Macht. Die internationale Nachfrage aus England, Frankreich oder Flandern machte diese Tätigkeit zur Grundlage der Wirtschaft der Iberischen Halbinsel und finanzierte zunächst die Reconquista und später die Expansionspolitik des Hauses Österreich.
Aufeinanderfolgende Könige, insbesondere die Katholischen Könige (mit der „Ordenamiento“ von 1489 und den „Ordenanzas“ von 1492), festigten dieses Netz von Viehwegen. Obwohl die Wollwirtschaft ab dem 17. Jahrhundert zu schwinden begann und die Transhumanz angesichts der landwirtschaftlichen Interessen nach und nach an Bedeutung verlor, ist der Verlauf dieser Wege bis heute in unserer Landschaft eingeprägt.
Wege mit lebendiger Geschichte: Cañada Real und Veredas de Alpuente
Ein Spaziergang durch unser Gemeindegebiet ist wie ein Spaziergang durch die Geschichte. Die Landschaft von Alpuente bewahrt Spuren jenes goldenen Zeitalters der Weidewirtschaft:
Die „Cañada Real de Castilla“: Im westlichen Teil sind noch Abschnitte von Trockenmauern erhalten, raffinierte Konstruktionen, die errichtet wurden, um den Verlauf abzugrenzen und zu verhindern, dass das Vieh in die Anbauflächen eindrang.
Die Vereda de Alpuente: Ein Feldweg unterschiedlicher Breite, der, bevor er den Weiler Baldovar erreicht, Brücken überquert, die dazu dienen, die Schluchten des Geländes zu überwinden.
La Vía pecuaria de La Torre: Im Dorf La Torre selbst sind die beiden Begrenzungsmauern neben der örtlichen Tränke erhalten geblieben. Auf einem weiteren Abschnitt, der an die „Cañada Real“ anschließt, stehen die Mauern noch immer.
Die Gemeinschaftsherde und die „Dula“: Ein Beispiel für gemeinsam genutzte Ressourcen
Die Steine und Wege sind nicht nur Überbleibsel der Vergangenheit, sondern haben die Seele von Alpuente und seine von Solidarität geprägten Bräuche geprägt. Eine der Traditionen, die bis vor nicht allzu langer Zeit gepflegt wurde – und die du bei einem Besuch unseres Ethnologischen Museums von Alpuente näher kennenlernen kannst –, ist die der gemeinschaftlichen Herde.
Die Dorfbewohner legten ihre Schafe zusammen, um eine einzige Herde zu bilden. Die Schichten für das Weiden der Tiere wurden gerecht nach dem System der „Tagesabfolge“ organisiert: Jeder Anwohner hütete die Herde an einer Anzahl von Tagen, die streng proportional zur Anzahl der von ihm beigesteuerten Tiere war.
Heute gibt es in unserer Gemeinde nur noch wenige professionelle Hirten, doch das Wesentliche ist nach wie vor erhalten geblieben. Wenn man gemächlich auf unseren Wanderwegen spazieren geht, kann man immer noch auf eine Herde stoßen, die in der Sonne weidet, und die uns daran erinnert, dass das ländliche Herz von Alpuente weiterhin schlägt.


