
La Caballada (DE)
In Atienza, einer der authentischsten mittelalterlichen Städte Kastiliens, ist die Geschichte keine ferne Erinnerung, sondern eine lebendige Tradition, die jedes Jahr mit erstaunlicher Genauigkeit nachgestellt wird. Die „Caballada“ ist viel mehr als nur ein Fest: Es ist die Nachstellung einer entscheidenden Begebenheit, die das Schicksal eines Königs wendete und die auch Jahrhunderte später noch durch die Straßen reitet.
Eine mittelalterliche Tradition, die auch nach mehr als acht Jahrhunderten noch lebendig ist.
Der Ursprung dieses Festes liegt im 12. Jahrhundert, in einer Zeit politischer Instabilität im Königreich Kastilien. Der junge König Alfons VIII., noch ein Kind, befand sich in Gefahr, da er von seinem Onkel, dem König von León, Ferdinand II., verfolgt wurde. In diesem Zusammenhang entwickelten die Fuhrleute von Atienza eine ebenso geniale wie entscheidende Strategie: Sie organisierten eine vorgetäuschte Wallfahrt, um den König aus der Stadt zu bringen, ohne Verdacht zu erregen.
Diese Episode, die List, Loyalität und Wagemut vereinte, prägte sich tief in das kollektive Gedächtnis der Bevölkerung ein. Im Laufe der Zeit entwickelte sie sich zu einem Fest, das nicht nur an das historische Ereignis erinnert, sondern es mit erstaunlicher Genauigkeit wieder aufleben lässt, wobei Gesten, Wege und Rituale bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben sind.
Die Fortführung dieser Tradition wurde durch die Bruderschaft der Heiligen Dreifaltigkeit ermöglicht, die als direkte Erbin jener alten Zunft der Fuhrleute gilt. Ihre Existenz ist seit dem Mittelalter dokumentiert, und sie bewahrt Archive, Protokollbücher und Statuten, die Jahrhunderte lebendiger Geschichte widerspiegeln. Diese Bruderschaft organisiert nicht nur das Fest, sondern fungiert auch als Hüterin eines in Spanien einzigartigen Erbes.
Die „Caballada“ findet am Pfingstsonntag statt und beginnt bei Sonnenaufgang, wenn sich die Bruderschaftsmitglieder im Haus des „Prioste“, der zentralen Figur der Bruderschaft, versammeln. Dort bereiten sie sich in einer feierlichen und symbolträchtigen Atmosphäre darauf vor, auf die Pferde zu steigen, und läuten damit einen Tag ein, der Tradition, Ritual und Gemeinschaft verbindet.
Zu den bedeutendsten Veranstaltungen zählen der Appell, die Verlesung der Geldstrafen – die den historischen Regeln der Bruderschaft entsprechen – und die Versteigerung der Fahne, einer der symbolträchtigsten Momente. Jede Geste, jedes Wort und jede Entscheidung folgen einem überlieferten Protokoll, das den authentischen Charakter der Feier unterstreicht.
Nach diesen Zeremonien reiten die Bruderschaftsmitglieder durch die Straßen von Atienza auf einer Pilgerfahrt, die sie zur Kapelle der Virgen de la Estrella führt. Diese Route ist keineswegs nur symbolisch, sondern bildet den Weg jener mittelalterlichen Flucht nach und verbindet Vergangenheit und Gegenwart in einer einzigen Geste.
In der Kapelle findet die Wallfahrt statt, mit Messe und Prozession, gefolgt von Volksfesten, die Nähe und Mitwirkung schaffen: die Versteigerung von Roscas und der Tanz der Jota Castellana, bei dem Tradition und Gemeinschaft in einer festlichen Atmosphäre verschmelzen.
Der Höhepunkt findet am Nachmittag statt, wenn die Bruderschaftsmitglieder zu Pferd zurückkehren, um die bekannten „Carreras a la morisca“ auszutragen, ein Spektakel voller Energie und Geschicklichkeit, das den krönenden Abschluss des Tages bildet.
Die „Caballada“ ist weder eine touristische Nachstellung noch eine

