
Carrestoliendas (DE)
In La Gila, einem Ortsteil von Alcalá del Júcar, lassen die „Carrestoliendas“ eine jener Karnevalstraditionen wieder aufleben, die Spiel, festliche Rivalität und Volksüberlieferung miteinander verbinden und das Dorf zur Bühne eines ebenso einzigartigen wie unterhaltsamen Festes machen.
Ein uraltes Karnevalsfest, bei dem Mehl, Schlauheit und Humor die Straßen von La Gila wieder mit Leben erfüllen.
In der Karnevalszeit, wenn Masken, Kostüme und Fröhlichkeit alles zu beherrschen scheinen, bewahren einige Dörfer zudem viel ältere Bräuche, Traditionen, die im kollektiven Gedächtnis weiterleben und die, wenn sie zurückkehren, dies mit besonderer Kraft tun. Das geschieht in La Gila mit den Carrestoliendas, einem Volksfest, das einst zum festlichen Erbe des Nordostens der Provinz Albacete gehörte und heute wieder als einer der originellsten Ausdrucksformen des lokalen Karnevalskalenders erlebt wird.
Das Wesen des Festes ist so einfach wie unwiderstehlich: Mehl wird zum Protagonisten eines gemeinsamen Spiels, bei dem Männer und Frauen sich mit Einfallsreichtum, Schnelligkeit und viel Humor gegenüberstehen. Die Männer versuchen, ihre Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen, um dem Mehlregen auszuweichen und den Tag sauber zu beenden; die Frauen, in Gruppen organisiert, entwickeln Strategien, um sie zu überraschen und sie ganz in Weiß zu bedecken. In dieser spielerischen Spannung liegt ein Großteil des Charmes des Festes, das die Straßen des Dorfes in eine Bühne voller Lachen, Wettrennen und Komplizenschaft verwandelt.
Der große Moment:
Das Besondere an den Carrestoliendas ist diese festliche Mehlschlacht zwischen den beiden Lagern, bei der Geschicklichkeit, List und gute Laune ebenso wichtig sind wie die Tradition selbst. Das Fest macht das Spiel zu einem Ritual und das Ritual zu einem tief verwurzelten Gemeinschaftserlebnis.
Auch wenn am Ende meist Hemden, Hosen und Gesichter komplett bedeckt sind, bewahrt das Fest einen sehr klaren Sinn für gegenseitigen Respekt. Es handelt sich nicht um einen einfachen karnevalistischen Streich, sondern um ein Spiel, das von Bräuchen geregelt und durch das Miteinander getragen wird, wobei die Intensität der Szene niemals den festlichen Ton bricht. Diese Mischung aus Energie, Tradition und Gemeinschaftsgefühl verleiht den Carrestoliendas ihren ganz besonderen Charakter.
Am Ende des Tages kommt einer der symbolträchtigsten Momente: Männer und Frauen stellen sich in zwei Reihen einander gegenüber auf und zeigen, wer es geschafft hat, sauber zu bleiben, und wer dem Mehl erlegen ist. Doch das Fest endet nicht in Rivalität. Danach bewerfen sich alle gemeinsam mit Mehl, wodurch der Wettbewerb in einem gemeinsamen Fest auflöst, das mit einem Volksessen endet. Dann zeigt die Tradition ihren wahren Sinn: nicht zu spalten, sondern die Menschen um einen überlieferten und mit Begeisterung wiederbelebten Brauch zu versammeln.
Die Carrestoliendas sind letztlich eines jener Feste, die man nur von innen heraus verstehen kann, indem man sich von der Atmosphäre, der Nähe und der Heiterkeit mitreißen lässt. Wer zu dieser Zeit nach La Gila kommt, entdeckt eine Tradition mit volkstümlichen Wurzeln, die mit Stolz wiederbelebt wurde und in der der Karneval noch jene uralte, spontane und authentische Dimension bewahrt, die an anderen Orten verloren gegangen ist.

